Oft saß ich – stumm – bei trüber Stunde,
in Mitternachtens finstrer Runde,
wo durch mein Hirn in bleicher Pracht
ein Nebel schlich – so schwer, so sacht.

Der Anzug schwarz, die Krawatte blutig,
mein Leib, einst stolz, nun müd und mutig,
ein roter Strom in Fleisch und Stein –
wer bin ich, dass ich muss so sein?

Ein Püppchen schaut durch Eisenstäbe,
ihr Blick ist kalt, wie Totengräbe,
sie spricht nicht – doch ich höre stumm
ihr Flüstern durch das Kerkertrumm:

„Du trägst mich in Gedankenwind,
doch bist du selbst das eingesperrte Kind.
Die Wolke auf dem Haupt dir ruht –
vergiss dich selbst, und tu, was Mütter tun.“

O Fluch der Form, o Pflichtgestalt!
Mein Herz ist jung, mein Leib schon alt.
Ich atme schwer in diesen Kleidern,
und kann mich doch dem Spiel nicht neiden.

So sitz ich – fern von jeder Zeit,
ein Rätsel aus Verstand und Kleid,
die Wolke raubt mir Aug‘ und Ohr,
das Kind im Käfig schweigt empor.

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Homage an Edgar Alan Poe