Empfangen um Mitternacht.
Das Paket stand vor meiner Tür. Kein Absender. Kein Geräusch beim Abstellen. Nur ein stilles Drängen im Nacken, als hätte mich jemand beobachtet, bis ich es fand.
Die Folie schimmerte im schwachen Licht, jede Blase ein gefangener Atemzug. Darunter: Haut. Konturen. Ein Körper – menschlich, fast schlafend, fast wach.
Ich hätte es nicht öffnen dürfen.
Meine Finger zitterten, nicht vor Kälte, sondern vor einer Ahnung – dass dies kein Versand war, sondern ein Fluch. Ein Schwebezustand zwischen Hier und Dort.
“Fragil”, stand auf dem Etikett.
Ich streichelte das Wort wie eine Wunde.
Da war Wärme unter dem Kunststoff. Puls.
Nicht laut, aber da.
Nicht tot, aber auch nicht lebendig.
Ich habe es hereingeholt.
Es steht noch immer im Flur.
Ich höre es manchmal atmen, wenn das Haus ganz still ist.
Und manchmal…
…sehe ich mein Spiegelbild in der Folie –
doch es blinzelt nicht gleichzeitig zurück.


